Prof. Dr. Günter Bergmann (1910-98)

                                                           

  Das musikalische Opus     

      

   ~ Klavier ~  

Zyklen für Klavier

Einzelstücke für Klavier

    . Die Brücke     bitte hier klicken

  • Der Bogen    bitte hier klicken                                                                                                          
  • Anachronismen   bitte hier klicken  

"Vordergründig erinnert Günter Bergmanns Klaviermusik an spätromantische Klaviermusik, wären da nicht für diese Zeit ungewöhnliche Konstruktionen und Akkordverbindungen. Es ist eine Musik, die auch denjenigen Musikfreund ansprechen kann, dem die aktuelle Neue Musik ein Greuel ist."                                                                          Universitätsmusikdirektor Dr. Dietmar Riehm


~ Orgel ~ 

Orgelzyklus

  • Harmonice Mundi Iovis  -  Die Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto auf ihrer Bahn.  bitte hier klicken

  -   -   -   -   -  

                       Die musikalisch-künstlerische Qualität 
wird in den "Meinungen und Pressestimmen" an anderer Stelle dieser Homepage aus vielfältiger Sicht gewürdigt. 

Alle Kompositionen zeichnen sich durch hohe Klangschönheit aus. Wegen ihrer jeweiligen Besonderheit sind der Klavierzyklus
                  "Stationen - Musikalisches Tagebuch 1936-39"
und der Orgelzyklus
                               
"Harmonice Mundi Iovis -
       Die Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto auf ihrer Bahn"
am bekanntesten.

Sie werden hier kurz erläutert:

                                  


      "Stationen - Musikalisches Tagebuch 1936-39"
 
                                  Klavierzyklus in acht Sätzen
         
      1. Introduktion                               5. Alster                             
      2. In Brahms' Geburtsstadt             6. Hopfenmarkt und St. Nicolai
      3. Scherzo                                      7. September 1938
      4. Ballade                                        8. August 1939 - Trauermarsch

In der spannungsgeladenen Zeit vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs, deren Dramatik heute kaum jemandem noch bewusst ist, begann der nicht regime-konforme Komponist bereits mit der Niederschrift seiner seelischen Stimmungen. Den möglicherweise lebensbedrohlichen Folgen einer eventuellen Entdeckung ideologie-kritischer Schriften entging er durch die Wahl einer Art Geheimsprache, nämlich der unverfänglichen, unzensierbaren Sprache der nicht wortgebundenen autonomen Musik. Diese Entwürfe dienten ihm später als Gedächtnisprotokoll seiner psychischen Reaktionen auf die politischen Ereignisse der damaligen Zeit und waren die Grundlage der endgültigen Fassung Ende der 50er Jahre.

Der Hörer wird die hochdramatische, sich steigernde Spannung verspüren, die von der Musik ausgeht. Dennoch gibt es in dem Zyklus auch heitere "Stationen", die mehr vom Verdrängungsprozess ihres Verfassers als von der Angst jener Tage verraten. Sie sollen eine kurzzeitig "heile Welt" vortäuschen. Es spannt sich also ein Bogen von idyllischen Hamburger Stimmungsbildern der Vorkriegszeit bis zum schaurigen "Trauermarsch - August 1939" mit der resignativen Vorwegnahme der Katastrophe.

"Wer diese Musik unvoreingenommen hört,
wird die Nähe des Herzens spüren,
das den Schönheiten dieser Welt geöffnet ist,
aber das Unheil jener Zeit begreift."
                                                                         Günter Bergmann



Harmonice Mundi Iovis
Die Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto auf ihrer Bahn

 Orgelzyklus in fünf Sätzen

                   1. Introduktion                             4. Intermezzo
                   2. Nocturno                                 5. Mundus Iovis
                   3. Rezitativ

    Von der Astronomischen Gesellschaft hatte der 70jährige Universitätsprofessor der Mathematik und Komponist Günter Bergmann im Jahre 1980 den ehrenvollen Auftrag erhalten, zum 350. Todestag von Johannes Kepler eine Musik zu komponieren, die sich an dessen Gedanken der Weltharmonik orientieren und Bahnverhältnisse im Planetensystem in die Tonfolgen einer Konzertmusik umsetzen sollte.

                       "Die Harmonie der Sterne ist die Nahtstelle
                   zwischen Naturwissenschaft, Musik und Religion."
                                                                                      Günter Bergmann

    Mit dem ehrgeizigen Ziel, astronomische Informationen in künstlerischer Verkleidung hörbar zu machen, werden erstmals konkrete Daten aus dem kosmischen Geschehen verschlüsselt in die Tonfolge einer Konzertmusik übertragen. Fakten aus der Wissenschaft werden präzise in Töne umgesetzt.
Mit mathematisch exakt  errechneten Proportionen beschreibt Bergmann in seiner Komposition die Umlaufzeiten der vier größten Jupitermonde. Ihren Bewegungsablauf verdeutlichen künstlerisch gestaltete Signale und ermöglichen so die "hörbare Beobachtung" der genauen Positionen von Io, Europa, Ganymed und Kallisto um ihren Planeten. Die exakte Ortung dieser Gestirne geschieht auf akustischem Wege durch spezifisch rhythmische Wendungen, Leitmotive und melodiöse Eigenarten. Auch wer kein Astronom ist, kann hier den Lauf der vier größten Jupitermonde verfolgen. Die Entschlüsselung und detaillierte Erläuterungen sind im Vorwort den Noten vorangestellt.
      

         "Wer der Musik die Bahnen der Jupitermonde entnehmen kann,
                        gewinnt die Genugtuung des Analytikers,
dem erst die Kenntnis der Struktur den vollkommenen Genuss herbeiführt."
                                                                                    Günter Bergmann

      "Der Hörer braucht sich aber nicht zu mühen, den Lauf der Gestirne in Gedanken zu verfolgen: Wie üblich kann er sich dem einfachen musikalischen Genuss hingeben. Unvoreingenommen klingt der lyrische, polyphone Zyklus wie "normale", sehr klangschöne Orgelmusik. Selbst der Fachmann ahnt nichts von der lückenlosen Information über astronomische Daten, wenn er zuvor nicht eingeweiht wurde."                                                       Günter Bergmann

          "In einer einmaligen Verbindung von Musik und Astronomie 
        gelang dem Komponisten und Mathematiker Günter Bergmann
die Verschmelzung der Gesetze der Musikästhetik mit denen des Kosmos."  
                                                                                                         Presse

Der in Norwegen lebende Musiker und Bergmann-Interpret Martin Spindler erarbeitete von Günter Bergmanns Orgelzyklus Fassungen für Gemischte Ensembles ((c) 2008) und Sinfonieorchester ((c) 2009).

Der Hagener Künstler Herbert Grawe gestaltete zu Günter Bergmanns Orgelzyklus dieses Triptychon mit einer komplexen und präzisen astronomischen Aussage entsprechend dem musikalischen Vorbild. Wie der Komponist verbindet der Mathematiker, Musiker und Maler Herbert Grawe wissenschaftliche Exaktheit mit ästhetischer Ausführung.

           Original: 100 cm x 200 cm                                  Herbert Grawe  (c) 2010

                                               *    *    *

Günter Bergmanns kompositorisches Werk ist nicht umfangreich. Dazu sei bemerkt, dass er in eine äußerst ungünstige Zeit hineingeboren wurde: 

Nachdem er als Kind den 1. Weltkrieg miterlebt hatte, fielen seine Studentenjahre in eine wirtschaftlich sehr unsichere Zeit, so dass er nicht seiner Neigung entsprechend sich der Musik, einer „brotlosen Kunst“, zuwandte, sondern das Mathematikstudium aufnahm, was ihn aber nicht davon abhielt, auch musikwissenschaftliche Vorlesungen zu belegen.

Trotz wissenschaftlicher Erfolge, der Ernennung zum Dr. rer. nat. habil. und einer zweiten Promotion zum Dr. phil. wurde ihm die Hochschullaufbahn wegen seiner bekannt kritischen Haltung zum Nationalsozialismus verwehrt. Sein Erleben der sich dem Studium anschließenden politisch höchst brisanten und ihn bedrückenden Vorkriegsjahre hielt er fest in den Skizzen zu seinem Klavierzyklus "Stationen, Musikalisches Tagebuch 1936-39".

Im 2. Weltkrieg wurde er als Soldat an den Fronten in Polen, Frankreich und Russland eingesetzt. Im Anschluss an die chaotische Nachkriegszeit musste er sich im Alter von nunmehr über 40 Jahren unter schwierigen Bedingungen eine berufliche Existenz aufbauen.

Die normalerweise besten und produktivsten Jahrzehnte eines Menschenlebens waren ihm geraubt.

Erst mit der Erreichung seines Berufsziels, konnte er – neben den anspruchsvollen Verpflichtungen als Universitätsprofessor der Mathematik – sich auch wieder der geliebten Musik und dem Komponieren zuwenden. Den ehrenvollen Kompositionsauftrag der Astronomischen Gesellschaft für den Orgelzyklus "Harmonice Mundi Iovis - Die Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto auf ihrer Bahn" erhielt er als Siebzigjähriger.

So haben ideologische Differenzen zum NS-Regime, der Fronteinsatz in Polen, Frankreich und Russland, die chaotische Nachkriegszeit und später eine langjährige lähmende Erkrankung die Schaffensperiode dieses kreativen Menschen begrenzt. Die eigentlich schöpferische Phase konnte erst in der Lebensmitte beginnen und endete trotz geistiger Hochform bereits viele Jahre vor seinem Tod. Zur Notenniederschrift eines geplanten großen Orchesterwerkes kam es nicht mehr. Wie viel reicher noch hätte sein Lebenswerk sein können!                                                                            

 



 
  
  
 
 
 
 

Inhalt, Gestaltung, Realisierung:
Hildegard Bergmann;  hildegard@bergmann-komponist.de